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Wer schön sein will, muss leiden

Der Ursprung des Körperschmucks

Schmuck ist also alt wie die Menschheit selbst. Von jeher versuchten die Menschen, ihre Erscheinung mit verschiedenen Mitteln vorteilhafter zu gestalten; wie dies konkret aussah oder aussieht, hängt natürlich von den Schönheitsidealen der jeweiligen Kulturkreise ab. Dabei empfindet der eine etwas als fremd oder sogar abstoßend, was innerhalb einer anderen Kultur als besonders kunstvoll und schön gilt. Aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.
Wir wollen uns einem ganz besonderen Aspekt des Sich-Schmückens zuwenden, dem Körperschmuck. Körperschmuck heißt in unserem Kontext, dass durch künstliches Einwirken die natürliche Form bestimmter Körperteile verändert, geschmückt wird.

Völker mit dunkler Hautfarbe erzielen die sogenannte Narbentatauierung durch Einschnitte in die Haut, deren Heilungsprozess durch Verunreinigen der Wunde, zum Beispiel durch das Einreiben von Holzkohle, bewusst hinausgezögert wird. Das auf der Hautfläche entstehende Narbenmuster ist ein bleibendes Schönheitsmerkmal. Narbenreliefs gibt es auch in Deutschland, wo sie bis heute überlebt haben – in Form freiwillig zugefügter Säbelhiebnarben bei schlagenden Verbindungen.

Das Entstehen und die vielgestaltige Ausprägung des Phänomens Körperschmuck ist einerseits eng verbunden mit ästhetischen Vorstellungen, mit Schönheitsidealen, die – wie erwähnt – in den verschiedenen Epochen und Kulturen sehr unterschiedlich aussehen. Andererseits steht Körperschmuck als gesellschaftliches Phänomen im Kontext soziokultureller Entwicklung und verbindet sich somit mit Begriffen wie Ritual, Magie und Medizin. Natürlich hat jedes Element des Körperschmucks wie auch jedes „gewöhnliche“ Schmuckstück symbolischen Charakter und Wert. So wurde und wird der Körperschmuck von den sogenannten primitiven Völkern getragen, um sich abzugrenzen, zu beeindrucken, eine Machtstellung zu demonstrieren oder eine Stimmung auszudrücken.

Körperschmuck als Ausdruck von Magie und Ritual.

Eng mit rituellem Brauchtum beim Körperschmuck ist die Magie des Körperschmucks verknüpft. Dem Schmuck, der in ganz bestimmten Körperteilen getragen wird, kommt in einigen Kulturen eine magische Kraft zu. Zum Beispiel dem Nasenstift wird vielfach magische Bedeutung zugeschrieben. Bei Naturvölkern in Australien und in der Südsee sollte Nasenstift den Träger oder die Trägerin vor bösen Geistern schützen, den Körper von ihnen verschließen.
Mit Eingriffen in den Körper will man aber auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe ausdrucken. So symbolisieren zum Beispiel verschiedene Initiationsriten den Übergang von der Kindheit  zum Erwachsensein.
Die Auseinandersetzung mit sich selbst und seinem Körper stellt ein ganz natürliches und ursprüngliches Bedürfnis  dar und hat mit ganz elementaren Gefühlen zu tun.
Die Spurensuche und – sicherung  fällt heute bisweilen schwer, da sich das Phänomen über die Jahrhunderte hinweg auf den Kontinenten ganz unterschiedlich entwickelt hat. Ein umfassender Überblick über seine Geschichte kann somit nicht gegeben werden.
Verweilen wir lieber unmittelbarer im Hier und Jetzt und blicken über die Schulter in die letzten beiden Jahrzehnte.

Aller Anfang war Punk.

„Punker kommen meist aus einfachen Verhältnissen, haben keine Kohle, kein richtiges Zuhause und sind arbeitslos.“ So beschrieb die Zeitschrift „Bravo“ anno 1980 die Lebensumstände der Angehörigen einer Jugendbewegung, deren erste Vertreter Ende der 70-er Jahre Deutschland aufmischten. Ihre Aggressionen gegen die Gesellschaft, in der sie chancenlose Randfiguren waren, reagierten sie ab, indem sie die Spießer schockierten. Sie schmückten sich mit Sicherheitsnadeln, Fahrradketten und Plaketten mit rotzfrechen Sprüchen.
Die Zentren der Punkbewegung waren Berlin und Hamburg. In der Berliner Szene-Disko „Exzess“ machten Punker in abgerissenen Klamotten und mit buntgefärbten Haaren die Leute an, sie schnorrten Geld, zerschmissen Fensterscheiben usw. Als Krönung der Provokation durchstachen sie sich die Wange oder Lippe mit Sicherheitsnadeln und trugen Ratten auf ihren Schultern spazieren.

Punk meets Topdesign

Die Modemacherin Vivienne Westwood saß an der Quelle. Als Lebensgefährtin von Malcolm McLaren, dem Manager der Skandal-Truppe The Sex Pistols, erkannte sie als erste die Zeichen der Zeit und skandierte: „Hässlich ist schön“. Also verpasste sie –sozusagen zur Einstimmung – erst mal den Jungs von der Pogo-Band das passende Out-fit. Dann versah sie auch die Topmodels auf den Laufstegen mit zerfetzten T-Shirts, Nadeln und Hundeketten, eröffnete in London die Boutique „Seasonaries“ und stattete ihre finanzkräftige Klientel mit den Insignien der Punkbewegung aus.
Nach Deutschland wurde der Punklook von der süddeutschen Modemacherin Maja Schultze-Lackner importiert. Nachdem sie selbst eins ihrer Modelle bei einer Personality –Show von Heidi Brühl im „Bayerischen Hof“ getragen hatte, bestellte Baronin Renate von Holzschuhernruh gleich begeistert ein Outfit bei ihr.
Während der echte Punker seine Klamotten aus dem Müll zog, kauften die Damen von Welt im Berliner „Burghards“, im Hamburger Punkshop am Abendrothsweg oder gleich bei Vivienne Westwood im Londoner „Seasonaries“. In den Boutiquen „Schmutz“ und „Boys“ an der Londoner King`s Road konnten sich die Kunden sogar die neu erstandene Kleidung mit Blut bespritzen oder ansengen lassen.

... und ist angesagt

                                  „Bodypiercing“ Cornelia Ziegler und Barbara Zoschke
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